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Informationskompetenz

Infokompetenz / Informationskompetenz für Schüler

Auswendiglernen und Niederschreiben von Lernstoff ist keine tragkräftige Lernstrategie. Zukunftsträchtige Kompetenzen haben Studenten und Schüler dann, wenn sie selbstständig aus unterschiedlichen Quellen das auswählen können, was für die Erledigung ihrer Aufgabe nützlich ist, wenn sie also „informationskompetent“ sind.

Informationskompetenz (IK) (auch: Infokompetenz)

Unter IK oder „Information Literacy“ versteht man die Fähigkeit, einen Bedarf an Informationen zu erkennen, Informationen zu beschaffen und diese zu bewerten, sowie effektiv zu nutzen. In diesem Sinn ist IK heute so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg bei unserer Gesellschaft geworden. Die Informationsvielfalt in der Schule, im Studium und im Alltag wird immer größer, ebenso die Arbeit bei der Beschaffung und Verarbeitung.

Wer „informationskompetent“ ist, kann mit beliebigen Informationen souverän, kritisch, verantwortungsvoll und zielgerichtet agieren. Infokompetenz ist also nichts anderes als der effiziente, ökonomische, effektive und gleichzeitig verantwortungsbewusste und ethisch korrekte Umgang mit Infos. Schon bei der Auswahl einer Studienrichtung wird den künftigen Studenten viel Infokompetenz abverlangt: Es gilt Informationen von verschiedenen Stellen einzuholen, Rankings zu studieren, Ratgeber zu lesen und sich im Idealfall mit Menschen zu unterhalten, die diese Studienrichtung bereits erfolgreich absolviert haben.

Das Internet: die Wissensmaschine

Immer wichtiger wird in Sachen Informationsbeschaffung das Internet. Etwas zu „googeln“ ist heute Standard und ein selbstverständliches Hilfsmittel bei der täglichen Informationsbeschaffung. Das Internet bietet enorme Vorteile, schließlich ist jede gewünschte Information sozusagen nur einen Mausklick entfernt und jederzeit abrufbar. Doch die Informationsfülle birgt auch Nachteile. Denn nicht selten bleibt im Dunkeln, wer eine Information tatsächlich verfasst und verbreitet hat. Hier ist daher IK besonders gefragt. Sie ist ein wichtiges Werkzeug, um etwa die Qualität von Informationen aus dem Internet, aber auch aus anderen Quellen zu gewichten und zu beurteilen.

Infokompetenz (IK) umfasst viele Vorteile

Wer diese Kompetenz besitzt, verfügt über ein ganzes Bündel an Fähigkeiten. Er oder sie ist in der Lage Informationen zu erfassen und zu recherchieren, diese selbständig einzuschätzen und zu bewerten, sowie die gewonnenen Informationen effizient einzusetzen.

IK an der Uni

IK braucht jeder im Alltag. Doch ganz besonders wichtig wird sie für Studierende an Universitäten. Studenten benötigten diese Kompetenzen für die Themenfindung, um sich rasch mit einer bestimmten Fragestellung vertraut zu machen, um sich mit unterschiedlichen Fachtexten auseinanderzusetzen und für die Analyse von komplexen Sachverhalten. Sie ist auch dann wichtig, wenn es gilt, die Argumentationskette einer Aussage nachzuvollziehen und etwas termingerecht und rezipientenorientiert zu erledigen.

IK sorgt für Schnelligkeit

Je höher die IK ist, desto schneller kommen etwa Studenten oder Schüler zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Auch Journalisten profitieren enorm von einer gut entwickelten Informationskompetenz. Ihr Arbeitsablauf verlangt, sich immer wieder neu mit einem oft bislang unbekannten Thema auseinanderzusetzen. Es folgt (im Idealfall) eine gründliche Recherche: Texte werden gelesen, verstanden und in ihrer Argumentation nachvollzogen. Anschließend geht es darum, einen eigenen Text zu erstellen und zwar so, dass ihn die potenziellen Leser auch verstehen (also rezipientenorientiert) und diesen termingerecht abzuliefern.

Kompetenz für das ganze Leben

Wer als Schüler oder Student IK erwirbt, legt diese nach dem Ende seiner Ausbildung nicht einfach wieder ab. Vielmehr ist diese Fähigkeit lebenslang gefordert und nützlich. IK wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bedingungen ändern sich immer rascher und entsprechend groß sind die Anforderungen an die Anpassungs- und Lernfähigkeit jedes einzelnen.

Wer weiß, wie man sich Informationen besorgt, diese bewertet und auswählt, verfügt über eine wichtige Basis für das lebenslange Lernen. Sie ist so etwas wie eine Schlüsselqualifikation für den Erfolg in unserer modernen Informationsgesellschaft, ein maßgeblicher Faktor für den Werdegang nach Schule und Beruf.

Ein Begriff aus dem Bibliothekswesen

Entstanden ist der Begriff „Informationskompetenz“ im Bibliothekswesen. Ursprünglich ging’s in diesem Zusammenhang vor allem um Wege der schnellen Informationsbeschaffung in der wissenschaftlichen Arbeit. Seit dem Siegeszug von Internet und Social Media hat sich die Bedeutung des Begriffs erweitert. Er bezieht sich jetzt auf den Umgang mit Informationen aller Art, darunter auch mit Wissen aus dem Web. Diese Begriffserweiterung ist allerdings noch relativ neu.

Infokompetenz wird als Teil der sozialen Kompetenz eines Menschen gesehen. Sie reiht sich also ein in eine Fülle von Fähigkeiten, die ein Mensch mitbringt (oder erlernt) und die ihn zu einem kompetenten, effizienten und verantwortungsvollen Umgang mit Informationen befähigen.

Die Entwicklung im Lauf der Jahre

Ein genauer Blick auf die Entwicklungsgeschichte des Begriffs „Informations-Kompetenz“ lohnt sich, denn dieser Begriff spiegelt viel von den zahlreichen Umwälzungen wider, die unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten erfahren hat.

Erstmals genannt wurde der Begriff, wie bereits erwähnt, im Bibliothekswesen und zwar in britischen und US-amerikanischen Bibliotheken, die damit auf die auf die ständig wachsende Informationsfülle reagierten. Gebraucht wurde der Begriff in erster Linie in Bezug auf das Informationsangebot der Bibliotheken – also in Hinblick auf Kataloge und Datenbanken. Dabei ging es immer stärker darum, wie sich Informationen durch intelligentes Wissensmanagement effizient weiternutzen lassen.

Die entsprechende Entwicklung in Deutschland, angetrieben von Berichten aus Großbritannien und den USA, begann in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Diese Zeit war geprägt von steigenden Studentenzahlen und einer eher gebremsten und zögerlichen Entwicklung des Bibliothekswesens. Dieses zeigte sich in den 70er Jahren zunehmend benutzerfreundlich. Etwa durch einfachere Nutzungs- und Zugangsbedingungen. Ebenso wurde verstärkt auf strukturierte Schulungen Wert gelegt, die den „Kunden“ die Nutzung erleichtert und die Recherche vereinfachen sollten. Man bemühte sich also erstmals wirklich aktiv darum, den Nutzer bei der täglichen Informationsbewältigung zu leiten und zu unterstützen.

Der Siegeszug der EDV ab den 80er Jahren brachten in dieser Hinsicht vorerst keine weiteren Fortschritte. Im Gegenteil: Viele Ressourcen der Bibliotheken waren durch die Umstellungsarbeiten auf die elektronische Datenverarbeitung stark beansprucht. Man hatte also oft weder genug Zeit, noch genug Geld für die Weiterentwicklung und den Ausbau der Benutzerschulung.

Erste große Fortschritte gab es dann erst wieder ab den 90er Jahren durch die Entwicklungen im Internet und durch die zunehmende Vernetzung von Arbeitsplätzen. Das führte zu zahlreichen Initiativen im Bereich Info-Kompetenz. Erstmals beschränkte sich dieser Begriff nicht nur auf die Bibliotheken, sondern wurde auch auf andere Lebensbereiche angewandt.

Standards für IK

Bereits in den 90er Jahren entwickelten amerikanische Bibliotheken Standards für die IK von Studenten. Auch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung stieg in dieser Zeit in das Thema ein. Eine im Jahr 2001 veröffentlichte Studie mit dem Titel „Studieren mit elektronischer Fachinformation“ forderte, IK mehr in die Hochschullehre einzubinden. Eine ähnliche Forderung erhob in dieser Zeit der Wissenschaftsrat. Er forderte eine bessere digitale Informationsversorgung für Forschung und Lehre. Die OECD forderte ebenfalls im Rahmen der PISA-Studie Kompetenzen im Bereich der Wissensnutzung und Wissensorganisation als Basis für ein erfolgreiches Leben.

Erste Standards in Deutschland

Este Standards rund um die IK von Studierenden gab’s in Deutschland Anfang 2006. Verabschiedet wurden sie von einer Forschungsgruppe Baden-Württembergischer Wissenschaftsbibliotheken. Sie sind die Grundlage für die Fortentwicklung der bibliothekarischen Schulungsaktivitäten und der Verankerung in die Fachcurricula der einzelnen Studienfächer. In den USA gibt es teilweise bereits fachspezifische Standards.

Auch die Unesco widmet sich dem Thema Informationskompetenz. Sie unterschützte diese Fähigkeiten sogar mit einer eigenen Initiative, um die Bedeutung der IK als Schlüsselqualifikation unseres Jahrhunderts zu festigen. Unterstrichen wurde das vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der den Monat Oktober 2009 als Information Literacy Awareness Month proklamierte.

IK wird immer umfassender

Durch die neuen partizipativen Möglichkeiten, die das Web 2.0 bietet, veränderte sich auch die Begrifflichkeit der IK. Ging es in den Bibliothekswissenschaften vor allem um die kompetente Suche, Erfassung, Analyse und Bewertung von Informationen, kam nun noch ein neues Element hinzu. Nicht nur die Rezeption von Informationen verlangt Kompetenz, sondern auch das Publizieren, das Kommunizieren innerhalb von Netzwerken und das Interagieren.

Gelingt die Informationsbewertung?

Wie sieht es nun angesichts dieser vielfältigen Konzepte und Programme, die rund um die IK gestartet wurden, tatsächlich mit den Fähigkeiten von Jugendlichen aus? Die aktuellste Erhebung im deutschsprachigen Raum kommt aus Österreich. Die Onlineplattform Saferinternet.at führte eine Studie rund um das Thema „Gerüchte im Netz“ durch. Befragt wurden 400 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zu ihrem Umgang mit Informationen aus dem Web. Das Ergebnis zeigt, dass große Unsicherheiten bestehen. 61 Prozent der Befragten empfingen die Bewertung von Informationen als schwierig.

Diese ist umso wichtiger, da in der jüngsten Vergangenheit „Fake News“, also Gerüchte im Web, immer mehr in den Focus der Aufmerksamkeit rückten. Gerade Jugendliche, die sich häufig über Soziale Netzwerke ihre Informationen holen, sind betroffen, wenn sich Falschmeldungen leicht und rasch verbreiten.

Beauftragt wurde mit der Untersuchung das Wiener Institut für Jugendkulturforschung. Die Ergebnisse zeigten, dass neben dem TV die Sozialen Netzwerke die weit wichtigste Informationsquelle für Jugendliche sind. Nur jeder Vierte informierte sich in ähnlich großem Umfang über Tageszeitungen.

In Sachen Glaubwürdigkeit schnitten bei den Jugendlichen vor allem das Radio und das Fernsehen sehr gut ab. Bei den Sozialen Netzwerken war die Skepsis hingegen weit größer. Nur jeder zehnte Jugendliche stufte diese als glaubwürdig ein.

Beim Erlernen von Infokompetenz zeigten sich große Unterschiede, was die Zugänge zu diesem Wissen angeht. Jeder zweite Befragte gab an, in der Schule gelernt zu haben, wie sich die Korrektheit von Informationen überprüfen lässt. Die Hälfte der Befragten hatte hingegen nie in der Schule gelernt, den Informationsgehalt von Nachrichten einzuschätzen.

Auch für jene, die IK bereits trainiert hatten, bleibt die Informationsbewertung oft eine Herausforderung. Vier von zehn Jugendlichen gaben an, dass sie oft oder sehr oft Informationen nicht als falsch oder richtig einordnen können. 86 Prozent der Befragten sind sich zumindest hin und wieder nicht sicher, ob eine Information richtig ist.

Ein interessantes Detail: Die befragten Jugendlichen vertrauen Bildern deutlich mehr als Text- oder Sprachinformationen. Etwa 71 Prozent waren sich sicher, Fotobearbeitungen zu erkennen.

Die Vermittlung von Informationskompetenz wünschen sich die Jugendlichen laut Studienergebnissen vor allem von ihren Lehrern und ihren Eltern. Sie gaben an, dass man nicht früh genug damit beginnen könne, Kinder im kritischen Umgang mit Medien zu schulen.

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